Da ich so verliebt in den neuen Jahrgang bin, und mich kaum von den Tanks losreisen kann, schlug meine Frau vor, ich könnte mir eigentlich gleich ein Zimmer im Keller einrichten. Wenn ich das so sagen darf – manchmal hat Sie echt gute Ideen.

Herbstbericht 2020

Herbstbericht 2020: schon wieder ein Spitzen Jahrgang, in einer Menge nach Wunsch.

Die Ernte 2020 ist seit dem 30. September 2020 abgeschlossen. Nach fast 4 Wochen „gemütlicher“ Erntezeit sind nun alle Trauben ohne Stress und Druck im Keller. Erster Eindruck nachdem nun die Gärung überall beendet ist: einfach mal Perfekt

Doch nun der Reihe nach:
Nach einem sehr trockenen 2019 wurden die Bodenreserven durch häufigen Regen vom Januar – März 2020 mit 150 l Niederschlag wieder gut aufgefüllt.
Also, optimale Wachstumsbedingungen für die Reben, Bewässerung war nur in ganz jungen Anlagen, in den Kalksteinextremlagen und bei den nachgepflanzten Reben nötig.

Mitte Juli sah schon alles perfekt aus, Anzahl der Trauben, lockere Traubengerüste, wir begannen für die Premiumlinie die Trauben zu halbieren, bzw. auszudünnen, denn Masse und Klasse schließt sich aus – das hat uns jahrelange Erfahrung gezeigt. Auch vom Juni bis Anfang August fielen insgesamt 150 l Wasser pro qm. Verteilt natürlich. Die Entwicklung der Reben ging sehr rasch voran, aber für Jan Phillip kein Problem, er hatte alle Weinberge im Blick und fest im Griff.

Die Trauben blieben durch die sich einstellende Trockenheit äußerst gesund, nur ganz wenig Fäulnis musste im Herbst vor der Lese entfernt werden. Auch die Kirschessigfliege machte, auch aufgrund der konsequenten Entblätterung der Traubenzone, in diesem Jahr keine Probleme. Vergleicht man die Wetterdaten der letzten 3 Jahre, war 2020 fast identisch mit dem Superjahrgang 2018.

Wir konnten wieder einmal – so wie in 2018 – mit einem frühen Erntebeginn rechnen.

So starteten wir mit der Lese am 2. September also 10 Tage früher als 2019 mit der Lese vom Müller Thurgau für Traubensaft und Traubensecco. Auch die Huxelrebe haben wir früh geerntet, selten war diese anfällige und schwierige Traubensorte so gesund.

Oft wurde in den frühen Morgenstunden (ab 5.00 Uhr) noch vor dem Sonnenaufgang (oder auch während) mit der Maschine geerntet, um kühle Weißweintrauben für eine lange Maischestandzeit zu ernten. Die Säurewerte waren nahezu perfekt bei absoluter Gesundheit.

Auch die Öchslegrade waren einfach nur genial. So mussten wir tatsächlich aufpassen dass die leichten Sommerweine nicht zu „schwer“ (alkoholreich) werden und deshalb rechtzeitig nach Hause bringen. 90°Ö sind hier völlig ausreichend. Daher holten wir ständig Proben in den Weinbergen um diese zu analysieren. Der Lesetermin wurde aufgrund der Säure und Öchslewerte bestimmt. Normalerweise richtet man sich auch nach der Fäulnis aber dieses Jahr: welche Fäulnis?
Die Lese lief mal wieder „Cross Over“ – eben noch Müller, jetzt Spätburgunder, die Rieslinge haben wir uns alle für das Finale aufgehoben. Alle Rieslinglagen waren längst im „Spätlese Bereich“ dennoch haben wir es erreicht, dass alle in den trockenen Bereich vergoren haben.

Mein EMIL schaffte es auf 92°Ö. Jan Phillip´s JP lag bei 90° dafür war die Säure knackiger was Ihn zu einer 17 stündigen Kaltmazeration bei 3° Celsius animierte. Das eingesetzte Trockeneis machte nicht nur ausreichend kalt sondern sorgte auch für mächtig „Nebel“ was mich wohl beeindrucken sollte. Das Battle EMIL /JP hatte wieder begonnen…
Insider wissen bescheid!

So ernteten am 30. September die letzten Sylvaner Trauben mit tollen 97°Öchsle durch geplanten reduzierten Ertrag. Dieses Jahr sollte es wieder einen SYLVANER Kalkstein Alte Reben geben.

Fazit: 2020:
schon wieder ein Spitzen Jahrgang, in einer Menge nach Wunsch.

Durch die frühe Ernte ist es uns möglich schon ab Mitte November die ersten leichten „easy drinking“ Weine zu füllen, das ist auch gut so, denn unser Weinangebot ist bedingt durch die deutlich gestiegen Nachfrage bereits erheblich zusammen geschrumpft.

Die Rieslinge und Burgunder verbleiben aber weiterhin lange auf der Vollhefe, Hauptfüllsaison wird daher wie immer der kommende Januar und Februar sein. Ab dann wird es wieder unseren beliebten und begehrten Riesling – L – den Chardonnay und den Grauburgunder geben.

Die Rotweine beeindrucken schon jetzt, präsentieren sich sehr dunkel und dicht bei toller Tanninstruktur. (Cabernet und Spätburgunder mit je 100°Ö!) selbst der Dornfelder schaffte es auf für diese Sorte eigentlich kaum erreichbare 86° Öchsle. Diese kommen natürlich erst mal für mind. 1 Jahr in Holzfässer und in die Barriques.

Wir sind sehr zufrieden und freuen uns über diesen Jahrgang 2020 – ein ganzes Jahr arbeiten wir auf die Ernte hin, wenn man dann seine Ziele erreicht ist man einfach nur glücklich.

Ein perfekter Jahrgang

Artmapp

In der ARTMAPP, ein hochwertiges Reise und Kulturmagazin, welches in der Schweiz, Österreich und in Deutschland erhältlich ist, erschien neulich ein schöner großer Artikel über unser Weingut. Gleich 2 Doppelseiten wurden uns gewidmet. (Über die komplette Mosel und über Rheinhessen wurde in je 1 Doppelseite berichtet).
Eine große Ehre für ein kleines Weingut!

Therapie

nach J. Kreutzenberger